Kompakt Allgemeinmedizin
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Immuncheckpoint-Inhibitoren: Gesteigertes kardiovaskuläres Risiko

Eine ameri­ka­ni­sche Single-Center-Studie bestä­tigt die Annahme, dass Immun­check­point-Inhi­bi­toren (ICIs) zur Krebs­the­rapie das Risiko für kardio­vasku­läre (CV) Ereig­nisse stei­gern, vermut­lich durch die beschleu­nigte Progres­sion der Atherosklerose.

Erst­au­torin Dr. Zsofia D. Drobni von der Harvard Medical School und Kollegen matchten hierzu 2842 ICI-behan­delte Pati­enten mit der glei­chen Anzahl Pati­enten ohne ICI-Therapie nach Alter, Vorge­schichte CV Ereig­nisse und Krebsart. In einer primären Analyse bewer­teten die Wissen­schaftler, ob die ICI-Expo­si­tion mit dem Auftreten athe­ro­sklero­ti­scher CV Ereig­nisse asso­zi­iert war. In 2. Instanz führten sie eine Fall-Cross­over-Analyse durch, in der sie die Periode unter Risiko als die 2 Jahre nach ICI-Behand­lung bewer­teten und mit der Kontroll­periode 2 Jahre vor Behand­lung verglichen.

Das primäre Outcome war ein Kompo­situm aus athe­ro­sklero­ti­schen CV Ereig­nissen (MI, Koro­narr­e­vas­ku­la­ri­sa­tion, ischä­mi­scher Schlag­an­fall). Sekun­däre Outcomes beinhal­teten die indi­vi­du­ellen Kompo­nenten des primären Outcomes. In einer zusätz­li­chen bild­ge­benden Unter­studie mit 40 Pati­enten bestimmten die Forschenden die Rate athe­ro­sklero­ti­scher Plaque-Progres­sion vor und nach ICI-Behand­lung. Alle Messungen und Ergeb­nisse der Studie wurden verblindet ausgewertet.

Im Fach­journal „Circu­la­tion“ berichten die Studi­en­au­toren, dass es in der gematchten Kohor­ten­studie ein 3‑fach erhöhtes Risiko für CV Ereig­nisse nach Beginn einer ICI gab (HR 3,3; 95%-KI 2,0–5,5; p<0,001). Ein ähnli­cher Anstieg zeigte sich auch bei den einzelnen Kompo­nenten des primären Endpunkts. In der Fall-Cross­over-Studie gab es eben­falls einen Anstieg der CV Ereig­nisse von 1,37 auf 6,55/100 Perso­nen­jahre nach 2 Jahren (adjus­tierte HR 4,8; 95%-KI 3,5–6,5; p<0,001).

In der bild­ge­benden Studie war die Rate der Progres­sion des gesamten Aorten­plaque-Volu­mens unter ICIs >3‑fach höher (von 2,1%/Jahr vor ICI-Behand­lung auf 6,7%/Jahr danach). Diese Asso­zia­tion zwischen ICI-Verwen­dung und erhöhter athe­ro­sklero­ti­scher Plaque-Progres­sion wurde bei gleich­zei­tigem Einsatz von Statinen oder Korti­kos­te­ro­iden abge­schwächt. Unter diesem Gesichts­punkt raten die Studi­en­au­toren, die CV Risi­ko­fak­toren zu opti­mieren und ihnen eine gestei­gerte Aufmerk­sam­keit vor, während und nach ICI-Behand­lung zukommen zu lassen.

Fazit
Immun­check­point-Inhi­bi­toren zur Krebs­the­rapie stei­gerten in der Studie das Risiko für kardio­vasku­läre (CV) Ereig­nisse, vermut­lich durch die beschleu­nigte Progres­sion der Athe­ro­skle­rose. (ah)

Autoren: Drobni ZD et al.
Korre­spon­denz: Thomas G Neilan; tneilan@mgh.harvard.edu
Studie: Asso­cia­tion Between Immune Check­point Inhi­bi­tors With Cardio­vascular Events and Athe­ros­clerotic Plaque
Quelle: Circu­la­tion 2020;142(24):2299–2311.
Web: https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.049981



 


 

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