Kompakt Allgemeinmedizin
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Gewichtszunahme unter Antidepressiva: „Ich will aber nicht zunehmen.“

Frauen leiden deut­lich häufiger an Depres­sionen als Männer, beson­ders jüngere Frauen sind betroffen [1]. Da gerade für letz­tere das Körper­ge­wicht eine wich­tige Rolle spielt, kann eine Gewichts­zu­nahme unter Anti­de­pres­siva zum Problem werden.

Viele meiner Pati­en­tinnen spre­chen mich direkt an, dass sie unter einer anti­de­pres­siven Therapie nicht zunehmen wollen. Ich muss berück­sich­tigen, dass sie die Behand­lung mit Anti­de­pres­siva entweder abbre­chen oder von Anfang an ablehnen“, so die Haus­ärztin Karin Leikert, Erft­stadt, und ergänzt: „Vor der Verord­nung eines Anti­de­pres­si­vums gehe ich auf dieses Thema beson­ders ein, damit gemeinsam eine akzep­tier­bare Thera­pie­ent­schei­dung getroffen werden kann.“

Die größten Dick­ma­cher unter den Anti­de­pressiva
Eine Gewichts­zu­nahme scheint beson­ders durch Trizy­klika wie Amitri­ptylin und Tetra­zy­klika wie Mirta­zapin gegeben: Zunahmen von drei bis vier Kilo­gramm wurden im ersten Jahr der Behand­lung beob­achtet. Bupro­pion und Fluvo­x­amin waren dagegen mit einer Gewichts­ab­nahme asso­zi­iert. Wirk­stoffe wie Sertralin und Dulo­xetin haben eher einen geringen Einfluss auf das Gewicht [2]. Laut einer großen Kohor­ten­studie wirken sich beson­ders SSRI (selek­tive Sero­tonin-Wieder­auf­nah­me­hemmer) bei längerer Einnahme auf das Körper­ge­wicht aus: Der stärkste Anstieg des Körper­ge­wichtes war hier im zweiten und dritten Jahr der Therapie zu verzeichnen [3].

Wie erklärt sich die Gewichtszunahme?
Als einer der Mecha­nismen der Gewichts­zu­nahme unter Anti­de­pres­siva werden ein direkter Einfluss der Medi­ka­tion auf die zellu­läre Lipo­ge­nese und das Hunger­ge­fühl disku­tiert [4]. Eine beson­dere Rolle scheint dem sero­tonergen und dem hist­aminergen System zuzu­kommen: Die appe­tit­an­re­gende Wirkung der Substanzen korre­liert mit ihrer in vitro gemes­senen Affi­nität zu den 5‑HT2C-Rezep­toren sowie zum H1-Rezeptor [2, 5]. Rele­vant ist dieser Mecha­nismus für trizy­kli­sche und tetra­zy­kli­sche Anti­de­pres­siva wie Doxepin, Trimi­pramin, Mirta­zapin oder Amitriptylin(-oxid) sowie SARI (Sero­tonin- Antago­nist-und-Wieder­auf­nah­me­hemmer), beispiels­weise Trazodon [6].

Keine Gewichts­zu­nahme unter Johanniskrautextrakt
Wie Fluo­xetin hat Johan­nis­kraut­ex­trakt keinen Einfluss auf das Gewicht. Der hoch­do­sierte Johan­nis­kraut­ex­trakt Laif® 900 kann zur Therapie von leichten und mittel­schweren Depres­sionen verordnet werden [7]. Eine Versor­gungs­for­schungstudie bestä­tigte bei Pati­enten mit mittel­schwerer Depres­sion eine äqui­po­tente Wirk­sam­keit zu SSRI.

Für das Johan­nis­kraut­ex­trakt ergab sich in der Studie außerdem eine deut­lich bessere Compli­ance der Partienten als unter der Vergleichs­me­di­ka­tion: 55 Prozent der Ärzte beur­teilten die Compli­ance unter dem Johan­nis­kraut­ex­trakt als sehr gut im Vergleich zu 34,5% unter SSRI [8]. „Diese Daten decken sich mit meiner Erfah­rung in der Praxis. Die Pati­enten nehmen den Vorschlag, eine anti­de­pres­sive Therapie mit einem Phyto­phar­makon zu beginnen gerne an und kommen gut mit dem Johan­nis­kraut­ex­trakt zurecht“, so Leikert.

Origi­nal­pu­bli­ka­tionen

  1. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/233461/umfrage/entwicklung-von- uebergewicht-und-adipositas-in-deutschland-unter-frauen/#professional
  2. Schuster N. Phar­ma­zeu­ti­sche Zeitung 12.09.2019. Verfügbar unter: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/durch-dick-und-duenn/ (abge­rufen am 15.09.2021)
  3. Gafoor R et al. BMJ. 2018 May 23;361:k1951
  4. Ageu LŞ et al. Rom J Morphol Embryol 2018;59(1):165–173
  5. Bruhn C. DAZ 30/2015. Verfügbar unter: https://www.deutsche-apotheker- zeitung.de/daz-az/2015/daz-30–2015/wenn-medikamente-dick-machen (abge­rufen am 15.09.2021)
  6. Regen F, Benkert O. „Anti­de­pres­siva“. In Kompen­dium der Psych­ia­tri­schen Phar­ma­ko­the­rapie, heraus­ge­geben von Otto Benkert und Hanns Hippius, Verlag Springer Berlin Heidel­berg, 2021. https://doi.org/10.1007/978–3‑662–61753-3_1
  7. Fach­in­for­ma­tion Laif® 900, Stand September 2020
  8. Kresimon J et al. Gesundh ökon Qual manag 2012;17:198–206

Quelle: Bayer Vital GmbH

 

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